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am Donnerstag, 21. November 2019 in der Kreisbibliothek Eutin
1. Death Café – Café Totentanz: Brigitte Maas
2. Das Letzte-Hilfe-Projekt: Sabine Grein, Tanja Meyer und Silke Eckeberg

Wie jedes Mal, waren auch diesmal etwa 50 Teilnehmende gekommen, um sich bei den Eutiner Hospizgesprächen der Hospizinitiative über das aktuelle Thema zu informieren.
Leider musste die Referentin Kornelia Schneider vom Palliativnetzwerk Travebogen in Lübeck krankheitsbedingt kurzfristig absagen, Sie sollte das Lübecker Projekt „Death Café" vorstellen.
So wurde daher der erste Teil durch die Vorsitzende Brigitte Maas und der zweite Teil durch die Koordinatorinnen Sabine Grein und Tanja Meyer sowie die Begleiterin Silke Eckeberg gestaltet.


1. Death Café – Café Totentanz

Death Café, im deutschen Sprachraum Cafe Totentanz, ist ein geplantes Non-Profit-Treffen, um ohne vorgegebene Tagesordnung über den Tod zu sprechen, bei Essen und Trinken, in der Regel Kuchen und Kaffee oder Tee. Das Ziel dieser freien Treffen ist es, sich gemeinsam mit anderen mit Themen wie Tod und Sterben zu beschäftigen. Sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen ist oft mit Tabus besetzt und kann Ängste oder Fragen auslösen. Das muss nicht nur traurig sein. Daher der Name "Totentanz-Café.
Die Idee stammt vom Schweizer Soziologen und Anthropologen Bernard Crettaz, der 2004 das erste café mortel in der Schweiz organisierte. Der Brite Jon Underwood ließ sich von Crettaz' Arbeit inspirieren und entwickelte 2011 das Death Café-Modell.

In Deutschland sind als Totentanz Café seit 2013 in Bonn, Köln, Siegburg, Berlin, München und vielen weiteren Orten solche Treffen etabliert.

Hier ein Beispiel, wie ein Totentanz-Café in Bonn durchgeführt wurde:
Am Samstag im August fand das neunte Totentanz Café statt. Wir haben uns bei schöner Live-Musik am Bonner "Alten Zoll" getroffen. Wir saßen auf Picknick-Decken neben der Beethoven-Statue von Markus Lüpertz. Es wurden Schiffe aus Holz gebaut. Es wurden Boote für Reisende, Schiffe des Abschieds. Schiffe der Zuversicht. Für die letzte Reise. Dann sind wir an den Rhein gegangen. Um zehn Uhr haben wir eine Stelle gefunden, an der wir nahe ans Wasser kamen. Wir haben die Kerzen auf den Schiffen angezündet. Und sie dann auf das Wasser gesetzt. Alle Boote sind losgefahren. Manche waren schwungvoll, manche vorsichtig.
Aber alle reisten nach Norden: Da geht es zur Mündung des Rheins. Alles Wasser fließt ins Meer. Wir haben gesehen: Jede Reise ist anders. Jede Reise wird anders sein.
Insgesamt gibt es viele ganz unterschiedliche Möglichkeiten für eine solche entsprechende Veranstaltungsreihe, so dass auch für Eutin eine geeignete gefunden werden kann. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist es wichtig zu wissen: Es handelt sich nicht um eine Trauergruppe, um Therapie oder eine Selbsthilfegruppe, sondern ist ein zwangloses Treffen, das von den Teilnehmenden ausgestaltet werden kann. Es kann allerdings auch Impulse geben von Seiten der Organisationsperson oder von jemandem, der eine Idee mitbringt
Da der teilnehmende Personenkreis nicht statisch ist und auch die Themen nur dem Rahmen nach feststehen, sollten die Veranstaltungen eher in öffentlich zugänglichen Räumen stattfinden.
Eine gute Möglichkeit bietet hier die obere Etage des Restaurants „Markt 17", die bereits für den 14. Januar 2020, 15:30 bis 17:00 Uhr reserviert werden konnte bei Konsum auf eigene Rechnung.

2. Das Letzte-Hilfe-Projekt

Sabine Grein berichtet von einer Sterbebegleitung auf einer Palliativstation. Der Vater war gerade gestorben, die beiden Söhne trauten sich nicht ins Zimmer - für sie war die Situation der Erkrankung des Vaters schwer auszuhalten. Unsicher standen sie auf dem Flur. Inzwischen hatte das Pflegepersonal das Bett mit Blütenblättern geschmückt und der Verstorbene hatte eine Rose in der Hand. Die Mutter hatte Vaters Bilder aufgestellt. Mit deutlichem Zuspruch und in Begleitung der Sterbebegleiterin konnten schließlich auch die Söhne das Sterbezimmer betreten. Gemeinsam konnten alle vom Vater Abschied nehmen. Nach der anfänglichen totalen Verunsicherung spürten die Söhne jetzt eine große Erleichterung und auch Dankbarkeit.

Tatsächlich wird das Thema Sterben ja sehr oft bis zum Schluss verdrängt, obwohl es berührt und allgegenwärtig ist. Über konkrete Hilfe am Lebensende kann nun jede/r in den Letzte-Hilfe-Kursen informiert und geschult werden. Sie sind quasi das Gegenstück zur Ersten Hilfe, die jeder Verkehrsteilnehmer lernen muss. Als Ersthelfer muss man in der Lage sein, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten, um dem Verletzten beizustehen. Genauso ist Hilfe für Sterbende und ihre Angehörigen notwendig. Letzte Hilfe möchte einen Einblick geben, was beim Sterben passiert und wie wir uns gegenseitig in der Familie und im sozialen Umfeld besser unterstützen können. Wie erkenne ich, wann hospizliche und palliative Unterstützung notwendig wird? Wo kann ich mir professionelle Hilfe in der Region holen? Lerninhalte sind u. a. wie es gelindert werden kann, wenn Beschwerden, z. B. trockener Mund und Lippen im Sterbeprozess auftreten.
Diese Kurse laufen grundsätzlich nach einem festen Curriculum, das von Georg Bollig und seinem Team erarbeitet wurde. Sie dürfen nur von entsprechend geschulten und zertifizierten Kursleiterinnen oder Kursleitern erbracht werden.
Die Kurse sollen Mut machen und Grundwissen vermitteln. Informationen hierzu sind inzwischen auch im Internet verfügbar oder als Buch von Georg Bollig, dem Entwickler der „Letzten Hilfe" u.a.: „Umsorgen von schwer erkrankten und sterbenden Menschen am Lebensende."
Tanja Meyer stellt dann den Aufbau des Letzte Hilfe Kurses vor und geht kurz auf die Inhalte ein. Der Kurs ist in vier Module gliedert:
Modul 1: Sterben als ein Teil des Lebens
Modul 2: Versorgen und entscheiden
Modul 3: Leiden lindern
Modul 4: Abschied nehmen

Die Hospizinitiative Eutin e.V. bietet den Kurs erstmalig am 23. Januar 2019 an. Der Kurs dauert von 16:00 Uhr bis ca. 21:00 Uhr. Er ist für 10 bis höchstens 15 Personen vorgesehen. Die Teilnahme ist kostenlos. Bei entsprechender Nachfrage sind weitere Kurse vorgesehen.

Silke Eckeberg schildert die Sterbebegleitung für ihre Freundin Renate. Renate hatte sich auf das Sterben gut vorbereitet. Sie war mit ihrer Freundin Silke zu entsprechenden Veranstaltungen gegangen und hatte sich – als Buchhändlerin – auch selbst mit dem Thema auseinandergesetzt. Sie hatte sich rechtzeitig einige persönliche Wünsche erfüllt, hatte noch einige Wanderreisen gemacht, soweit ihre schwindende Kraft dies zuließ.
Dann brauchte sie die Hilfe ihres Mannes und ihrer Freundin Silke zur Sterbebegleitung. Auch Freundinnen beteiligten sich, sie war nie allein, wenn sie es nicht wollte. So umsorgt wünschte sie einen Tag vor ihrem Tod: „Ich will sterben."
Silke begleitete dann auch die Trauernden, vor allem die noch kleinen Enkel. Renate trug auf ihrer letzten Reise wie von ihr gewünscht ihren Lieblingsbademantel und Socken, hatte rote Lippen und sah bildschön aus. Die Trauerfeier fand dann auf ihren Wunsch im Garten der Mühle, ihres Lebensprojektes, statt.
Aus dem sehr interessierten Publikum kamen einige Fragen und Anmerkungen und die Diskussionen hielten auch nach dem Ende der Hospizgespräche noch an.

Detlev Seibler

 

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