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Sterbende, die keinen persönlichen Kontakt wünschen oder zum Beispiel im Pflegeheim oder Krankenhaus Besuchsverbot haben, können jetzt mithilfe digitaler Medien Verbindung zu Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleitern erhalten. Interessenten wenden sich an die Geschäftsstelle der Hospizinitiative Eutin Tel 04521 - 790776

Brigitte Maas, Vorsitzende Hospizinitiative Eutin e.V.:
„Wir freuen uns, dass bei den Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Pandemie jetzt technische Möglichkeiten zum mittelbaren Kontakt zu Sterbenden angeboten werden und hoffen, dass technische Probleme sich gut lösen lassen. Unsere ehrenamtlichen Sterbebegleiter sind gespannt auf die Herausforderungen und die neuen Möglichkeiten.
Wir haben per E-Mail im Verein kommuniziert, wer bereit ist und sich in der Lage fühlt, elektronische Sterbebegleitung zu machen. Fast alle haben die elektronische Infrastruktur zuhause zur technischen Durchführung: WLAN, ZOOM-APP, Lautsprecher und Kamera am digitalen Endgerät. Bei Personen, die diese häuslichen Möglichkeiten nicht haben, werden wir Lösungen finden und freuen uns hierzu über Spenden.
Die elektronische Sterbebegleitung ist jedoch ein absoluter Kompromiss, der nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass der unmittelbare körperliche Kontakt mit Sterbenden eigentlich nicht ersetzbar ist. Gerade die Intimität der Zweisamkeit, die offene Zeitschiene, die Konzentration aufeinander ist ein nicht ersetzbares Plus zwischen sterbenden Menschen und den ehrenamtlichen Hospizbegleitern. Für uns Hospizler ist es nicht nachvollziehbar, dass die Hospizbegleitung nicht als systemrelevant eingestuft wird. Die übrige Versorgung des Sterbenden wird von lebendigen Menschen durchgeführt."

Sabine Grein, Hospizinitiative Eutin e.V.:
„In der letzten Woche hatte ich telefonischen Kontakt zu einer schwerkranken Frau in der Häuslichkeit, die sich auf der einen Seite sehr eine Begleitung wünscht, aber im Moment aus Angst vor einer Corona-Infektion keinen physischen Kontakt möchte. Da ihr Mann beruflich den ganzen Tag abwesend ist und erst am Abend spät nach Hause kommt, ist sie sehr viel allein und hat nur durch das Telefon Kontakt zur Außenwelt. Hier wäre der Einsatz eines Tablets, welches die Bild- Kommunikation ermöglicht, sicher eine Bereicherung."

Einschätzungen von zwei Begleiterinnen der Hospizinitiative Eutin e.V.:
Birgit Stender: „Für mich als Begleiterin gehört eigentlich immer der persönliche Kontakt zu einer Begleitung dazu. Ich habe das Gefühl, ich bekomme einen besseren Kontakt zum Patienten, wenn ich ihm oder ihr gegenübersitze, also auch ‚Schwingungen' wahrnehmen kann. In meiner Arbeit habe ich aber erfahren, dass ein Telefonat genauso eine Nähe entstehen lassen kann. Gerade, weil es so wenig Ablenkung durch die Umgebung gibt. Auch so kann man schnell ein Gefühl für Ängste und Sorgen bekommen."

Brigitte Schwanholz:
„Diese Krise stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Digitale Sterbebegleitung, eine ungewöhnliche Möglichkeit der Begleitung. Wir sollten das ausprobieren. Nach meinen Erfahrungen kann auch der telefonische Kontakt sehr intensiv sein, denn dabei fallen Ablenkungen von außerhalb weg."

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